The Story of Enough. Giving Up (new) Clothes for One Year.

Sei die Veränderung die Du in der Welt sehen möchtest.

The Story of Enough. Giving Up (new) Clothes for One Year.

(Be the change you wish to see in the World.)

 Yasemin hat es sich 2015 zur Aufgabe gemacht 1 ganzes Jahr lang keine Neue Kleidung, Schuhe, Taschen und (oder) Schmuck zu kaufen. Ab heute, dauert es noch ziemlich genau 31 Tage und das Kosumfreie Jahr geht für sie zu Ende. Wie es ihr damit geht, was ihre Beweggründe sind (waren) und vor allem, wie sich der veränderte Konsum auf Sie ausgewirkt und Veränderungen herbei geführt hat, schreibt  sie für uns in einem sehr spannenden und Informativen Artikel.

Viel Spaß.

 Der Auslöser für mein shoppingfreies Jahr war die Einsicht, dass Kleidung mich langfristig nicht glücklich machen kann. Und das Wissen, dass wir die Macht haben, mit der Wahl bestimmter Produkte auch eine bestimmte Art des Wirtschaftens zu unterstützen; eine, die auf den Erhalt der Umwelt achtet, auf die korrekte Entlohnung und Behandlung der Mitarbeiter, auf gesellschaftliches Engagement setzt und auf Tierisches verzichtet. Bevor ich aber den Umstieg zum Konsum fairer, ökologischer Kleidung wagen wollte, beschloss ich plötzlich, ein Jahr lang keine neue Kleidung, Schuhe, Taschen oder Schmuck zu kaufen.

Irgendwo in meinem Hinterkopf klingelte da schon länger etwas. Erst nur leise, aber es wurde immer lauter. Wie diese Wecker, die irgendwann so laut sind, dass einem nichts anderes übrig bleibt, als endlich aufzustehen, die Augen zu öffnen. Dieser Wecker wollte mir deutlich machen: Ich sollte meinen Klamotten-Konsum überdenken. Weil ich einfach zu viel kaufe, zu viel habe, das ich eigentlich nicht brauche. Ich hatte das Gefühl, besonders als linke Veganerin, meine Gedanken und Werte nicht nur auf meine Ernährung und Worte zu reduzieren, sondern auch auf meine Taten übertragen zu wollen. (Besonders Fred Grimm´s Buch „Shopping hilft die Welt verbessern. Der andere Einkaufsführer“ und die Dokumentation „The true Cost“ haben mich im Mai in meiner Entscheidung bestärkt.)

shopping hilft die Welt zu verbessern the true cost

Diese bisherigen elf Monate haben mir gezeigt, wie entlastend es sein kann, nicht mehr zu konsumieren. Sich nicht nachts durch Onlinekatalog zu klicken und zu überlegen, welches Kleidungsstück man sich als nächstes kaufen will. Nicht immer auf dem neusten Trend sein zu müssen. Stattdessen sich und seinen eigenen Stil zu finden, auch mal die restlichen 80% der Kleidungsstücke zu tragen, Sachen neu zu kombinieren.

Ich denke, jede Frau kennt den Gedanken „Ich habe nichts zum Anziehen“ – und genau dieser ist bei mir verschwunden. Anstatt wie früher in die Stadt zu fahren und mir etwas Neues zu kaufen, habe ich die hintersten Ecken meines Schrankes durchwühlt, um festzustellen, dass ich doch etwas habe, dass ich schon längst vergessen hatte. Manchmal habe ich mir auch einfach etwas aus dem Schrank meiner Mutter oder meiner Schwester genommen und angefangen damit meine Klamotten neu zu kombinieren. Und obwohl ich mehrmals Kleidung an Bedürftige gespendet habe, ein paar Sachen an Freunde verschenkt habe, Dutzende online oder auf dem Flohmarkt verkauft habe, besitze ich immer noch sehr viel.

Wichtiger als diese Erkenntnisse ist, es war eine Gelegenheit für mich näher an ein zufriedenes Leben zu kommen: erfüllt zu sein, vollständig zu sein und glücklich mit dem was man bereits besitzt. Durch den Verzicht von Konsum, habe ich hinterfragt, warum neue Kleidung mich in der Vergangenheit glücklich(er) gemacht haben. Dank diesem Verzicht habe ich gelernt, mein Selbstwertgefühl immer unabhängiger von meinem Aussehen zu machen (was für mich eine sehr interessante Entwicklung ist).

Vor ein paar Monaten war meine Laune noch sehr abhängig von der Kleidung, die ich trug und dem Gefühl, die sie mir gab. Wenn es mir schlecht ging, war neue Kleidung für mich ein Trostspender. Ich habe gelernt, mich selber, durch mich, glücklich zu machen und die Zufriedenheit in mir selbst zu finden. Denn dieses Glück kann mir keiner nehmen und kein Kleidungsstück der Welt geben. Ich bin dennoch Karl Lagerfelds Meinung, dass Geld müsse zirkulieren, heißt:

Ich konsumiere eigentlich trotz allem gerne und Konsum macht durchaus Sinn. Aber wie bei allem geht es um das richtige Maß, das Bewusstsein und die Reflexion. Und das konnte ich erst durch den Verzicht realisieren. Innerhalb eines Jahres habe ich gelernt kreativer zu sein, mein Eigentum wertzuschätzen, mein Kaufverhalten und die Ware an sich zu hinterfragen und schließlich umzudenken. Außerdem habe ich viele Alternativen kennengelernt, zum Beispiel den Tausch von Kleidung bei Onlinemärkten (Kleiderkreisel) oder auch auf coolen Tauschpartys (Greenpeace organisiert regelmäßig welche).

Umwelt

Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass der Verzicht mich auch in vielen anderen Bereichen umdenken lassen hat. Beispielsweise bin ich auf feste Shampoos und Seifen umgestiegen, um mein Plastikverbrauch und somit auch meinen ökologischen Fußabdruck zu minimieren.

Ab Neujahr ist mein shoppingfreies Jahr zu Ende und höchstwahrscheinlich werde ich wieder konsumieren. Nur anders. Ich werde viel mehr darüber nachdenken, was ich kaufe, was ich wirklich brauche und weshalb. Wo die Dinge herkommen, wie die Produktionsbedingungen sind und wie sie sich auf die Umwelt auswirken. Und vielleicht bin ich durch all das ein besserer Mensch geworden, weil ich Dinge anders angehe als vorher, weil ich meine Kleidung gerne spende, wodurch vielleicht die Welt für andere ein wenig besser wird, weil ich nicht mehr alles so hinnehme, weil ich weiß, dass ich zwar nicht alles richtig machen kann, aber jeder Schritt in die richtige Richtung wichtig ist.

Be the change you wish to see in the World.





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